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Welches Elternteil kennt nicht den Gedanken oder Ausspruch „Wie die Zeit vergeht, er/sie ist sooo schnell groß geworden“?
Kennt sicher jeder.

Aber kennt ihr auch folgendes:

Es ist Abend. Ihr sitzt auf der Couch, schaut TV oder surft im Internet oder lest ein Buch oder oder oder…
Einen Moment später steht ihr im Kinderzimmer, habt das Baby auf dem Arm, beruhigt es, weil es blöd gelegen, schlecht geträumt oder quer gepupst hat und denkt euch: Häää??? Ich stehe hier, hab MEIN Baby auf dem Arm, MEIN älterer Sohn liegt nebenan in seinem Zimmer in UNSERER 4-Zimmer Wohnung in einem familienfreundlichen Stadtviertel einer Großstadt. Im Wohnzimmer sitzt MEIN Ehemann, mit dem ich dieses Jahr 5 Jahre VERHEIRATET bin. Wir sind beide berufstätig, haben einen Pampersbomber draußen stehen und wissen, wo man gut und günstig für eine Familie einkaufen kann.

War ich nicht grad noch in der Schule? Hab ich nicht erst vor kurzem die ABI-Fahrt nach Lloret de Mar gemacht? Dachte ich nicht grad gestern noch, dass sich nie ein Junge (*g*) für mich interessiert?

Na gut, okay, die Ausbildung war da noch, grad letzte Woche, oder?
Und die erste eigene Wohnung, Wahnsinn!!

Aber nein, die Realität ist, und das ist einfach umwerfend, ich bin jetzt glücklich verheiratet, habe zwei tolle gesunde Lausebengel, wohne in einer spießigen Wohnung, fahre einen Kombi, weil da der Kinderwagen besser reinpasst und FINDE ES TOLL!!!

Nur komm ich irgendwie nicht so ganz klar damit, dass ich offenbar erwachsen bin. Irgendwann bin ich erwachsen geworden. Aber wann?? Wann war der Zeitpunkt X ?

Vielleicht komme ich deshalb immer wieder zu dieser Überlegung, weil ich eigentlich nach dem Peter Maffay Lied „Ich wollte nie erwachsen sein“ gelebt habe und es auch immer noch tue. Selbst auf unserer Hochzeit lief das Lied, weil wir es wollten.

Aber all das, was ich, was WIR haben, gehört doch zum erwachsen werden und sein dazu.

Nicht dass man mich falsch versteht, ich finde meine Lebensumstände wirklich, ganz ehrlich wunderbar, nur wenn ich mir dass alles vor Augen führe, komme ich mir manchmal vor, wie mein vielleicht 16jähriges „Ich“, das per Zeitportal ins zimmer von Ron gebeamt wurde und ihn auf dem Arm hält.
Ich komme mir dann wirklich vor wie ein Teenager mit einem Baby auf dem Arm, ich bin dann irgendwie kleiner (auch wenn ich ehrlich gesagt schon vor meinem 16. Lebensjahr nicht kleiner war als jetzt, mit anderen Worten, ich habe irgendwann „beschlossen“, dass ich hoch genug bin *g*).

Das ist so schwer zu erklären… Wahrscheinlich hat der ein oder andere Leser schon längst in der Psychatrie angerufen, um mir ein Einzelzimmer zu reservieren 😉
Ich bin allerdings froh, dass mein Mann ähnlich freudig perplex reagiert, wenn ich uns mal wieder ins Gedächtnis rufe, dass wir seit Jaaaahren verheiratet sind und das wir ZWEI Kinder zusammen haben.

Macht euch einfach mal ganz in Ruhe klar, was ihr schon alles erreicht habt. Es muss nicht so umfangreich sein, wie ich es hier beschrieben habe, fangt klein an: Führerschein, Abi, Ausbildung, Wohnung usw. Es ist so viel, was wir „nebenher“ schaffen und leisten, ohne uns der Tragweite bewusst zu sein.

Das Leben zieht leider zu oft einfach an uns vorbei. Wir müssen immer mal wieder Pausen machen, und es uns bewusst anschauen und genießen!

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